Das Frauenzentrum KHANZAD in Sulaimania

Hintergrund

KHANZAD wurde 1996 von einer Gruppe kurdischer Frauen in Zusammenarbeit mit HAUKARI e.V. in Sulaimania gegründet. Es war das erste parteiunabhängige, nur für Frauen zugängliche Zentrum in Kurdistan-Irak. Mit KHANZAD wurde eine Möglichkeit für den sozialen Austausch unter Frauen in einem gesellschaftlich akzeptierten Raum geschaffen.

In den ersten Jahren lag der Schwerpunkt der Arbeit auf einem breit gefächerten Bildungs- und Beratungsangebot, das jährlich von bis zu 7000 Frauen genutzt wurde. Sie konnten dort unter anderem an Alphabetisierungskursen teilnehmen, ihren Grundschulabschluss nachholen, sich in Computer- und Internetkursen weiterbilden oder in medizinischen, rechtlichen und sozialen Fragen beraten lassen.

Inzwischen haben sich die Angebote und Möglichkeiten für Frauen in Kurdistan-Irak, sich auch außerhalb des familiären Kontextes zu bewegen, erheblich verbessert. So gibt es heute eine Vielzahl von staatlichen und privaten Bildungsangeboten für Frauen. Auch die Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt haben sich enorm verbessert.

Dem stehen auf gesellschaftlicher Ebene die auch heute noch starken traditionellen patriarchalen Strukturen gegenüber. So ist es für Frauen nach wie vor unmöglich, eine Lebensperspektive ohne männlichen Versorger zu entwickeln. Vor allem in den ländlichen Gebieten sind Zwangsverheiratungen, Gewalt in der Familie und weibliche Genitalverstümmelung noch immer weit verbreitet. Frauen und Mädchen, die gegen den Ehrenkodex verstoßen und z.B. bei vor- oder außerehelichen Beziehungen entdeckt werden, werden bestraft und sind häufig von Ehrenmord bedroht.

Seit Ende der 1990er Jahre engagieren sich zahlreiche Frauen- und Menschenrechtsorganisationen gegen Gewalt gegen Frauen. Sie haben erreicht, dass die Kurdische Regionalregierung 2009 weitreichende politische und rechtliche Reformen gegen Gewalt gegen Frauen verabschiedete und Anlaufstellen für Frauen eingerichtet wurden. Zudem wurde der „Hohe Rat der Frauen“ gegründet, der 2012 einen Fünfjahresplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen verabschiedete, der als Kernstrategie eine enge staatlich-zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit vorsieht.

Auch das Frauenzentrum KHANZAD trägt seit Ende der 1990er Jahre zusammen mit anderen Frauengruppen durch die öffentliche Thematisierung von familiärer und sozialer Gewalt gegen Frauen zu einem besseren Schutz bedrohter Frauen bei. Nach wie vor sind die vorhandenen Zufluchts- und Schutzmöglichkeiten sowie das Aufklärungs- und Beratungsangebot jedoch nicht ausreichend.

  

Heute sind die Beratung von Frauen in Gewalt- und Krisensituationen und das politische und gesellschaftliche Engagement gegen Gewalt, Ehrenmord und soziale Ächtung von Frauen Schwerpunkte der Arbeit von KHANZAD. Ein zentrales Anliegen ist dabei der Aufbau einer engen staatlich-zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit.  

Aufgrund seiner langjährigen Arbeit ist KHANZAD in der ganzen Region bekannt und gesellschaftlich akzeptiert. KHANZAD hat während seiner jahrelangen Arbeit eine Vielzahl von Projekten initiiert, aus denen sich nachhaltige Strukturen für den Schutz von Frauen entwickelt haben. Dabei arbeitet KHANZAD mit zahlreichen Akteuren zusammen, setzt sich für eine enge staatlich-zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit ein und engagiert sich in den verschiedensten Kontexten: KHANZAD ist in den Frauen- und Jugendgefängnissen tätig, engagiert sich in den Zufluchtshäusern und bietet individuelle Beratung für Frauen und Mädchen, sowie Familienberatung an. Immerfort mit dem Ziel: Für den Schutz von Frauen vor Gewalt und Marginalisierung und die Stärkung ihrer gesellschaftlichen und politischen Partizipation durch Bildung, Beratung und Austausch.

 

Arbeit mit Gefangenen

KHANZAD begann 1999 mit der Betreuung von Frauen in den Gefängnissen von Sulaimania.
Ziele der Arbeit mit den Gefangenen sind seither:

  • die Sicherung der Grundversorgung
  • die medizinische, rechtliche und soziale Beratung
  • die Verbesserung der Haftbedingungen
  • die Erarbeitung von Perspektiven mit den Familien der Gefangenen und Begleitung und Schutz vor Verfolgung und sozialer Ausgrenzung nach der Entlassung

Ohne männlichen Versorger zu sein oder den Gewaltverhältnissen entfliehen zu wollen bedeutet für viele Frauen, dass sie in einen Teufelskreis aus Leben auf der Straße, Gefängnisaufenthalten und Prostitution geraten. Frauen, die wegen Prostitution, Ehebruchs oder anderer Ehrdelikte wie "Herumtreiberei" inhaftiert sind, stehen vor allem nach ihrer Entlassung vor einem Problem. Sie sind sozial stigmatisiert und von ihren Familien verstoßen und können nicht in ihr soziales Umfeld zurückkehren. Ein zentraler Teil der Arbeit mit gefangenen Frauen ist deshalb die Erarbeitung von Perspektiven zusammen mit den Familien für die Zeit nach der Haftentlassung. Schon während der Haftzeit fährt ein mobiles Team von KHANZAD in die oft entlegenen Herkunftsorte der inhaftierten Frauen und Mädchen, spricht dort mit deren Familien und anderen sozialen Schlüsselpersonen wie religiösen Führen, Dorfältesten, Lehrern und Gesundheitsarbeitern und versucht, zusammen mit ihnen und den Frauen Lösungen und Perspektiven für die Zeit nach der Haftentlassung zu entwickeln. Auch für die Männer, die selbst unter großem sozialen Druck stehen, ihre Töchter oder Frauen zu bestrafen, wird dabei eine Lösung ohne sozialen Gesichtsverlust erarbeitet.

Bis heute ist die Arbeit in den Gefängnissen ein wesentlicher Bestandteil von KHANZAD. Im Laufe der Jahre wurde der Arbeitsbereich in den Gefängnissen immer mehr erweitert.

Neben der Betreuung und Versorgung von Frauen in Gefängnissen und nach ihrer Entlassung,  wurde die Arbeit von KHANZAD Ende 2006 auf das Jugenduntersuchungsgefängnis ausgeweitet. Hintergrund der Anklagen wegen Diebstahls, Körperverletzung oder Totschlags sind auch hier häufig die Flucht aus familiären Gewalt- und Zwangssituationen, vor sexuellem Missbrauch und Ausbeutung in der Familie.

Neben der individuellen Beratung von Frauen und ihren Familien führt KHANZAD regelmäßig Schulungen für Justiz-, Polizei- und Sicherheitspersonal in den Gefängnissen und Polizeistationen in Sulaimania und seit 2011 auch in kleineren Distriktstädten durch.
Ziele dieses Programms sind:

  • der respektvolle und sensible Umgang mit inhaftierten und von Gewalt bedrohten Frauen auf den Polizeistationen und in der Sicherheitsverwahrung in Sulaimania und den Distriktstädten der Region
  • der frühzeitige Schutz von bedrohten Frauen durch die Verbesserung der Vernetzung und des Informationsflusses zwischen Frauenprojekten, Polizei- und Justizpersonal und sozialen Schlüsselpersonen

  

Zudem wird kontinuierlich an einer Ausweitung der psychosozialen Betreuung und eines Rechtsbeistands für Gefangene gearbeitet, um eine umfassende Verbesserung der Haftbedingungen und eine angemessene Betreuung zu erreichen.

Auf Grundlage der Arbeit in den Gefängnissen publizierte KHANZAD im Mai 2007 die wissenschaftliche Studie "Oceans of Crime", in der die Hintergründe und Folgen der Prostitution in Kurdistan-Irak dargestellt und Verantwortliche und Nutznießer benannt werden. Das Buch löste eine intensive gesellschaftliche Debatte über die soziale Marginalisierung von Frauen und das bis dahin tabuisierte Thema Prostitution aus.

Partner und Unterstützer von KHANZAD`s Arbeit mit Gefangenen

Von 2009-2011 erhielt KHANZAD finanzielle Fördermittel vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Im Zuge dessen konnte neben oben erläuterten Tätigkeiten das KHANZAD-Team um weitere Mitarbeiterinnen aufgestockt, die Beratungsarbeit auch auf ländliche Regionen erweitert und die Ausweitung polizeilicher, rechtlicher sowie psychosozilaer Maßnahmen vorangetrieben werden.

Außerdem unterstützte von 2009-2012 die CARITAS Schweiz/DEZA die Arbeit von KHANZAD in den Gefängnissen. Im Mittelpunkt stand ein Fortbildungs- und Aufklärungsprogramm gegen Gewalt gegen Frauen und Jugendlichen. Hierbei wurde u.a. mit der Kurdistan Health Foundation zusammengearbeitet.

Seit Jahren arbeitet KHANZAD eng mit der Kurdistan Health Foundation (KHF) zusammen, die ergänzend Aufklärungs- und Sensibilisierungsprogramme für die dörfliche Bevölkerung durchführt. In diesem Kontext identifiziert und schult die KHF zusammen mit Sozialarbeiterinnen von KHANZAD lokale Schlüsselpersonen, die Frauen in Krisensituationen als erste Anlaufstelle kontaktieren können.

Auch im kurdischen Unternehmensbereich und privaten Sektor konnte eine Kampagne von HAUKARI e.V. zahlreiche Unterstützer für das Projekt gewinnen. Heute besteht ein großes Netzwerk an lokalen Unternehmen und privaten Befürwortern, die die Arbeit von KHANZAD in den Gefängnissen mit Spendenmitteln mitfinanziert.

 

Arbeit in den Zufluchtshäusern

Um Schutz- und Beratungsmöglichkeiten für Frauen in Krisen- und Gewaltsituationen zu verbessern und auszuweiten, engagiert sich KHANZAD auch in den Zufluchtshäusern. Frauen, die von Gewalt, Ehrenmord und Zwangsverheiratung bedroht sind, können in den Zufluchtshäusern Schutz suchen. Seit 2013 arbeitet KHANZAD mit drei staatlich geführten Zufluchtshäusern in Sulaimania und Kalar intensiv zusammen.

Die Ausstattung der Zufluchtshäuser ist prekär. Es mangelt an ausreichenden Räumlichkeiten, Verpflegung und Hygieneartikeln. Statt nach der Flucht aus der familiären Gewaltsituation und extremer physischer Belastung Entspannung zu finden, leben die Frauen hier teilweise jahrelang unter Gefängnis ähnlichen Bedingungen. Ziel der Arbeit von KHANZAD ist die Lebenssituation der Frauen in den Zufluchtshäusern zu verbessern. Dies soll erreicht werden, indem  in Renovierungsarbeiten und Versorgung investiert wird, sowie Freizeit- und Bildungsangebote gefördert werden.

Damit sich der Aufenthalt der Frauen in einem Zufluchtshaus jedoch überhaupt nicht erst zu einem aussichtslosen Dauerzustand entwickelt, berät KHANZAD die Frauen und ihre Familien bei der Erarbeitung von Perspektiven zur Reintegration in ihr soziales Umfeld. Dazu nimmt KHANZAD Kontakt zu den Familien auf, identifiziert Personen innerhalb der Familie sowie lokale Schlüsselpersonen, die eine Konfliktlösung unterstützen wollen und initiiert Familienmediationsprozesse für den Schutz der Frauen und ihre Rückkehr in die Familie.

Von Beginn an wurde dabei das Ziel verfolgt, kontinuierliche und nachhaltige Mechanismen staatlich-zivilgesellschaftlicher Zusammenarbeit bei der Beratung von Frauen in Gewaltsituationen zu etablieren. Im Rahmen des Projekts entwickelte sich eine enge Kooperation zwischen staatlichen Zufluchtshäusern, Direktorat des Ministeriums für Arbeit und Soziales (DOLSA), Direktorat zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen des Innenministeriums (DCVAW),  KHANZAD und drei anderen Frauen-NROs, die weit über das konkrete Projekt hinausgeht und auch in anderen Projektaktivitäten von KHANZAD und lokalen Partnern tragen.

In Sulaimania beraten in wöchentlichen Treffen eine Support-Gruppe, bestehend aus vier lokalen NROs, zusammen mit der Direktion des Zufluchtshauses und den staatlichen SozialarbeiterInnen über aktuelle Probleme und Angelegenheiten.

Dieses Gremium stellt ein gelungenes Beispiel für eine nachhaltige staatlich-zivilgesellschaftliche Form der Zusammenarbeit zum Schutz und zur Beratung von Frauen dar. Die wöchentlich tagende Support-Gruppe hat sich fest etabliert und die kontinuierliche Zusammenarbeit  zwischen staatlichen Zufluchtshäusern und NROs besteht, über das Projektende 2016 hinweg, bis heute fort.

 

Die Zusammenarbeit von KHANZAD mit den staatlich geführten Zufluchtshäusern in Sulaimania und Kalar wurde von 2013 bis 2016 mit finanziellen Mitteln des BMZ und medico international unterstützt. Bis heute werden der infrastrukturelle Ausbau und die psychosoziale Betreuung unterstützt.

 

Schutz und Beratung von Frauen in Geflüchtetengruppen und Gastgemeinden

Seit dem Vormarsch des IS sind hunderttausende Menschen innerhalb des Iraks auf der Flucht. Sie fliehen neben dem Terror durch den IS auch vor Kampfhandlungen und Angriffen schiitischer Milizen. In der Provinz Sulaimania und im Germian-Gebiet, wo KHANZAD tätig ist, suchen ca. 100.000 vor allem arabisch-sunnitische Familien Zuflucht.

Schon seit 2014 haben MitarbeiterInnen von KHANZAD im Rahmen von Nothilfemaßnahmen in Geflüchtetencamps der Germian-Region Frauen sozial und rechtlich beraten. Im Juli 2016 haben HAUKARI und das Frauenzentrum KHANZAD ein neues 3-Jahres-Projekt begonnen, was sich gezielt an Frauen in Geflüchtetenunterkünften und Gastgemeinden richtet: Ziel ist die Stärkung lokaler zivilgesellschaftlicher und staatlicher Strukturen in der psychosozialen Beratung von Frauen und Mädchen mit geschlechtsspezifischen Gewalterfahrungen.     

  

 

Hintergrund des Projekts: Krisenhafte Lage in Kurdistan/Irak

Die militärischen Auseinandersetzungen haben den Prozess politischer Stabilisierung und wirtschaftlichen Aufschwungs unterbrochen. Die gegenwärtige Finanzkrise und Konflikte zwischen der Kurdischen Regionalregierung und der Irakischen Zentralregierung in Bagdad tragen darüber hinaus zur Destabilisierung der Region bei.

Im Kontext dieser krisenhaften Umstände sind die kurdischen Gastgemeinden trotz großer Solidarität mit den Geflüchteten mit deren Versorgung und Integration überfordert. Mit anhaltender Krise verschärfen sich Spannungen zwischen Geflüchtetengruppen und Gastgemeinden und es kommt immer wieder zu Konflikten. Hinzu kommt, dass die kurdische Aufnahmegesellschaft teilweise großes Misstrauen gegenüber den arabisch-sunnitischen Binnengeflüchteten hat. Sie stellen einen Teil der ehemaligen Tätergruppe dar, die 1988 die Anfal-Operationen gegen die kurdische Bevölkerung unter dem Kommando des Baath-Regimes ausführte. Auch in der Provinz Dohuk gibt es Misstrauen zwischen Geflüchteten und Aufnahmegesellschaft; insbesondere jesidische Geflüchtete sehen ihre Abhängigkeit von Versorgung durch kurdische Institutionen mit Sorge und Anspannung.

Sowohl die kurdische Gastgesellschaft als auch die arabisch-sunnitische Gesellschaft der Binnenflüchtlinge sind von patriarchalen Familienstrukturen und einem traditionellen Ehr- und Moralkodex geprägt. Die aktuellen krisenhaften Umstände; Not, Perspektivlosigkeit und der Zerfall sozialer Strukturen bringen neue Gewalt gegen Frauen und Mädchen hervor. Kindes- und Zwangsverheiratung nehmen wieder zu.

Das Projekt

Vor diesem Hintergrund richtet sich dieses Projekt an die Geflüchtetengruppen und die Gastgemeinden. Ziel ist es soziale Konflikte und politischen Spannungen zu entschärfen. Das Projekt umfasst hierbei verschiedene Dimensionen, um Gewalt gegen Frauen entgegenzuwirken.

Zum einen werden in Zusammenarbeit mit dem staatlichen Direktorat zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen (DCVAW) und zivilgesellschaftlichen Partnern Beratungsstellen für Frauen in Geflüchtetencamps aufgebaut, sowie Anlauf- und Schutzstellen in den Gastgemeinden gestärkt. Die Frauen können individuelle oder Gruppenberatung in Anspruch nehmen, es gibt regelmäßig Infoveranstaltungen zu Themen wie Zwangsverheiratung und Kinderehen, aber auch zu Gesundheitsfragen, sowie für geflüchtete Frauen zu ihren Rechten in der kurdischen Region. Neben dem Beratungsangebot werden außerdem Bildungs- und Freizeitkurse veranstaltet, um auch Frauen zu erreichen, die aus Angst vor Stigmatisierung die Beratungsstellen ansonsten nicht aufsuchen würden.

 

 

In den neu eingerichteten Beratungsstellen wird die Polizei- mit der Sozialarbeit verbunden. Polizei und Sicherheitskräfte werden im Rahmen des Projekts für den Umgang mit Frauen in Gewaltsituationen sensibilisiert und geschult, sowie über Gesetze und ihre Aufgaben und Pflichten aufgeklärt. Außerdem werden Strategien in der Verfolgung von Tätern sexualisierter Gewalt optimiert. Neben den Polizei und Sicherheitskräften werden auch lokale Fachkräfte für die spezifische Arbeit mit von Gewalt bedrohten Frauen ausgebildet und fortgebildet. Sie erwerben Kompetenzen in der psychosozialen Beratung, sowie Trauma-sensiblen medizinischen Versorgung und erhalten Supervision.

Damit langfristig eine hohe Qualifizierung und Professionalität der Fachkräfte sichergestellt wird, werden Schulungsangebote sowie überregionale Erfahrungsaustausche von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Beratungsstrukturen gestärkt. Dazu tragen auch die Entwicklung von Qualitätsstandards und die Verankerung von Qualifizierungsmaßnahmen auf Regierungsebene bei. Ausbildungsinhalte sollen standardisiert werden und ein umfassendes SGBV-Manual entwickelt werden.

 

 

 

Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Resilienz gewaltbetroffener Frauen und stärkt Solidarität und soziale Verbindungen in den Geflüchtetenunterkünften und Gastgemeinden. Darüber hinaus wird die Widerstandsfähigkeit des staatlichen und zivilgesellschaftlichen Unterstützungssystems gefördert, indem nachhaltige Strukturen des fachlichen Austauschs entwickelt werden und Coaching-Angebote zum Schutz vor Burnout und Sekundärtraumatisierung für Mitarbeitende angeboten werden.

Wichtige Querschnittskriterien bei allen Aktivitäten des Projekts sind die Nutzung und Systematisierung lokal entwickelten Fachwissens in der psychosozialen Beratung sowie die Stärkung der zivilgesellschaftlich-staatlichen Zusammenarbeit zum Schutz und zur Beratung von Frauen in Geflüchtetencamps und Gastgemeinden.

Das Projekt wird in Kooperation mit medica mondial und mit Förderung des BMZ durchgeführt.

 

Stärkung von Familienberatung und sozialer Präventionsarbeit

Beratungsstellen mit gut ausgebildeten und für geschlechtsspezifische Themen sensibilisierte Beamten sind wichtige Anlaufstellen für Frauen, die  Schutz vor Gewalt und eine polizeiliche Betreuung suchen. Die Präsenz der Polizei in den Beratungsstellen schreckt jedoch auch viele Frauen und Familien ab, sich frühzeitig Hilfe zu holen und das präventive Beratungsangebot wahrzunehmen. Damit die Hemmschwelle eines Beratungsbesuchs sinkt, sollen im Rahmen des Projekts zur „Stärkung von Familienberatung und sozialer Präventionsarbeit gegen Gewalt gegen Frauen und in Familien“ zivile Familienberatungsstellen in Kifri und Kalar aus den Polizeistrukturen herausgelöst werden.

Die im zivilen Umfeld angesiedelten Beratungsstellen sollen Frauen und Mädchen und deren Familien bei Konflikten unterhalb der polizeilichen und strafrechtlichen Relevanz betreuen. Ziel ist es, dass mehr Menschen sowohl aus den Geflüchtetencamps als auch aus den Gastgemeinden das Beratungsangebot nutzen und ein kontinuierliches, niedrigschwelliges Angebot zur Gewaltprävention etabliert wird. Die Beratung orientiert sich hierbei an „Familien-Lösungen“: Familienmeditation und Reintegration der Frauen in ihr soziales Umfeld.

Ein Beraterinnen-Team von KHANZAD unterstützt den Aufbau der zivilen Beratungsstellen und die Qualifizierung von MitarbeiterInnen der DCVAW-Beratungsteams. Darüber hinaus wird die Verankerung der Familienberatungsstellen in einem breiten Netzwerk lokaler EntscheidungsträgerInnen aus Politik, Justiz, Polizei, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen verfolgt und damit die kontinuierliche Stärkung staatlich-zivilgesellschaftlicher Zusammenarbeit.

Das dreijährige Projekt wurde 2017 in die Wege geleitet und wird mit Mitteln des BMZ finanziert. Das Projekt ist ein Pilotvorhaben für die vom DCVAW geplante Ausweitung von Familienberatungsstellen in der gesamten kurdischen Region.

 

Kontinuierliche Weiterbildung der KHANZAD Mitarbeiterinnen

Auch KHANZAD Mitarbeiterinnen nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil. Diese finden sowohl in Kurdistan als auch teilweise in Deutschland und der Schweiz statt. Bei solchen Fortbildungen steht der intensive Austausch mit verschiedensten Institutionen im Mittelpunkt. So erweitern KHANZAD Mitarbeiterinnen kontinuierlich ihr Wissen und können eine optimale Schulung ihrerseits gewährleisten. Darüber hinaus übermitteln auch die KHANZAD Mitarbeiterinnen bei transnationalen Treffen wertvolles, lokal entwickeltes Fachwissen und Eindrücke ihrer praktischen Arbeit mit gewaltbedrohten Frauen. Das Fachgespräch „Gewalt – Flucht – Trauma“, welches  HAUKARI zusammen mit der Psychotherapeutenkammer Berlin und Wildwasser e.V. im Februar 2016 veranstaltete, kann beispielshaft für einen gelungenen transnationalen und interkulturellen Austausch über die Arbeit mit Geflüchteten genannt werden.

 

Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit: Für soziale und rechtliche Reformen zum Schutz von Frauen!

Die konkrete Beratungs- und Betreuungsarbeit des Frauenzentrums KHANZAD ist verbunden mit simultaner Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit. Wie bereits erläutert, gibt es jenseits der Lösung in der Familie kaum Perspektiven für Frauen und Mädchen in Kurdistan-Irak und deshalb werden oft Lösungen in Kauf genommen, die zwar die Frauen vor Gewalt und Ehrenmord schützen, sie aber in psychisch belastende und unglückliche Konstellationen zwingen. Hier sind für Veränderungen gesellschaftliche, rechtliche und soziale Reformen nötig, für die sich KHANZAD auf Ebene der Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit engagiert. Denn nur in der Zusammenarbeit mit Regierungsinstitutionen und durch gesamtgesellschaftliche Veränderungen können nachhaltige Lösungen gefunden werden.

Zusammen mit anderen Gruppen konnte KHANZAD bereits erste wichtige Reformen erreichen. Weitere Reformen und ein gesamtgesellschaftlicher Diskurs über Gewalt gegen Frauen und Frauenrechte generell sind jedoch notwendig. Immer wieder stoßen Vorstöße in diese Richtung auf enormen Widerstand aus traditionellen und religiösen Kreisen. So wurde 2011 zwar ein weitreichendes Familiengesetz zum Schutz vor Gewalt in der Familie verabschiedet, die Umsetzung kommt jedoch nur schleppend voran. Außerdem drängen die kriegerischen Auseinandersetzungen und politischen Konflikte in der Region das Thema Frauenrechte immer mehr von der politischen Agenda.

Ein aktives Gegensteuern ist gefragt: KHANZAD setzt sich weiterhin konsequent für gesellschaftliche, rechtliche und soziale Reformen ein.

Wie können Sie KHANZAD unterstützen?

Um die für den Schutz von Frauen und die Durchsetzung von Frauenrechten notwendige Partei- und Regierungsunabhängigkeit zu wahren, bezieht KHANZAD keine Mittel der kurdischen Regionalregierung und ist auf internationale Fördermittel und Spenden angewiesen. KHANZAD freut sich daher sehr über Ihre Spende. 

HAUKARI e.V. fördert das Frauenzentrum KHANZAD mit Mitteln von BMZ, DEZA Schweiz, CARITAS Schweiz, medico international, OXFAM Deutschland , Weltgebetstag der Frauen u.a.

 

Kontakt

Haukari e.V.

Falkstr. 34
60487 Frankfurt/M., Germany

Telefon: +49 (0) 69 7076 0278
E-mail : info@haukari.de

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