Das Frauenzentrum KHANZAD in Sulaimania

 

  • schützt Frauen vor Gewalt und Marginalisierung
  • stärkt die gesellschaftliche und politische Partizipation von Frauen durch Bildung, Beratung und Austausch
Das Khanzad TeamDas Team von Khanzad

 

Hintergrund

KHANZAD wurde 1996 von einer Gruppe kurdischer Frauen in Zusammenarbeit mit HAUKARI e.V. in Sulaimania gegründet. Es war das erste parteiunabhängige, nur für Frauen zugängliche Zentrum in Kurdistan-Irak. Mit KHANZAD wurde eine Möglichkeit für den sozialen Austausch unter Frauen in einem gesellschaftlich akzeptierten Raum geschaffen.

In den ersten Jahren lag der Schwerpunkt der Arbeit auf einem breit gefächerten Bildungs- und Beratungsangebot, das jährlich von bis zu 7000 Frauen genutzt wurde. Sie konnten dort unter anderem an Alphabetisierungskursen teilnehmen, ihren Grundschulabschluss nachholen, sich in Computer- und Internetkursen weiterbilden oder in medizinischen, rechtlichen und sozialen Fragen beraten lassen.

Khanzad KursKhanzad Kurs

Inzwischen haben sich die Angebote und Möglichkeiten für Frauen in Kurdistan-Irak, sich auch außerhalb des familiären Kontextes zu bewegen, erheblich verbessert. So gibt es heute eine Vielzahl von staatlichen und privaten Bildungsangeboten für Frauen. Auch die Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt haben sich enorm verbessert.

Dem stehen auf gesellschaftlicher Ebene die auch heute noch starken traditionellen patriarchalen Strukturen gegenüber. So ist es für Frauen nach wie vor unmöglich, eine Lebensperspektive ohne männlichen Versorger zu entwickeln. Vor allem in den ländlichen Gebieten sind Zwangsverheiratungen, Gewalt in der Familie und weibliche Genitalverstümmelung noch immer weit verbreitet. Frauen und Mädchen, die gegen den Ehrenkodex verstoßen und z.B. bei vor- oder außerehelichen Beziehungen entdeckt werden, werden bestraft und sind häufig von Ehrenmord bedroht.

Seit Ende der 1990er Jahre trägt das Frauenzentrum KHANZAD zusammen mit anderen Frauengruppen durch die öffentliche Thematisierung von familiärer und sozialer Gewalt gegen Frauen zu einem besseren Schutz bedrohter Frauen bei. Nach wie sind die vorhandenen Zufluchts- und Schutzmöglichkeiten sowie das Aufklärungs- und Beratungsangebot jedoch nicht ausreichend.


 

Beratung und Schutz von Frauen

Heute sind die Beratung von Frauen in Gewalt- und Krisensituationen und das politische und gesellschaftliche Engagement gegen Gewalt, Ehrenmord und soziale Ächtung von Frauen Schwerpunkte der Arbeit von KHANZAD.

Aufgrund seiner langjährigen Arbeit ist KHANZAD in der ganzen Region bekannt und gesellschaftlich akzeptiert. Immer mehr Frauen aus Sulaimania wenden sich in Krisen- und Gewaltsituationen an KHANZAD und erhalten dort Schutz und Hilfe. Jährlich berät KHANZAD bis zu 120 Frauen und ihre Familien im Frauenzentrum und über mobile Beratungsteams in ihren sozialen Zusammenhängen, oft auch in entlegenen ländlichen Regionen.

 

Arbeit mit Gefangenen

KHANZAD begann 1999 mit der Betreuung von Frauen in den Gefängnissen von Sulaimania.
Ziele der Arbeit mit den Gefangenen sind seither:

  • die Sicherung der Grundversorgung
  • die medizinische, rechtliche und soziale Beratung
  • die Verbesserung der Haftbedingungen
  • die Erarbeitung von Perspektiven mit den Familien der Gefangenen und Begleitung und Schutz vor Verfolgung und sozialer Ausgrenzung nach der Entlassung

Ohne männlichen Versorger zu sein oder den Gewaltverhältnissen entfliehen zu wollen bedeutet für viele Frauen, dass sie in einen Teufelskreis aus Leben auf der Straße, Gefängnisaufenthalten und Prostitution geraten. Frauen, die wegen Prostitution, Ehebruchs oder anderer Ehrdelikte wie "Herumtreiberei" inhaftiert sind, stehen vor allem nach ihrer Entlassung vor einem Problem. Sie sind sozial stigmatisiert und von ihren Familien verstoßen und können nicht in ihr soziales Umfeld zurückkehren. Ein zentraler Teil der Arbeit mit gefangenen Frauen ist deshalb die Erarbeitung von Perspektiven zusammen mit den Familien für die Zeit nach der Haftentlassung. Schon während der Haftzeit fährt ein mobiles Team von KHANZAD in die oft entlegenen Herkunftsorte der inhaftierten Frauen und Mädchen, spricht dort mit deren Familien und anderen sozialen Schlüsselpersonen wie religiösen Führen, Dorfältesten, Lehrern und Gesundheitsarbeitern und versucht, zusammen mit ihnen und den Frauen Lösungen und Perspektiven für die Zeit nach der Haftentlassung zu entwickeln. Auch für die Männer, die selbst unter großem sozialen Druck stehen, ihre Töchter oder Frauen zu bestrafen, wird dabei eine Lösung ohne sozialen Gesichtsverlust erarbeitet.

Ende 2006 hat KHANZAD die Arbeit auf das Jugenduntersuchungsgefängnis ausgeweitet. Hintergrund der Anklagen wegen Diebstahls, Körperverletzung oder Totschlags sind auch hier häufig die Flucht aus familiären Gewalt- und Zwangssituationen, vor sexuellem Missbrauch und Ausbeutung in der Familie.

Auf Grundlage der Arbeit in den Gefängnissen publizierte KHANZAD im Mai 2007 die wissenschaftliche Studie "Oceans of Crime", in der die Hintergründe und Folgen der Prostitution in Kurdistan-Irak dargestellt und Verantwortliche und Nutznießer benannt werden. Das Buch löste eine intensive gesellschaftliche Debatte über die soziale Marginalisierung von Frauen und das bis dahin tabuisierte Thema Prostitution aus.

 

Für soziale und rechtliche Reformen zum Schutz von Frauen!

Neben der individuellen Beratung von Frauen und ihren Familien führt KHANZAD regelmäßig Schulungen für Justiz-, Polizei- und Sicherheitspersonal in den Gefängnissen und Polizeistationen in Sulaimania und seit 2011 auch in kleineren Distriktstädten durch.
Ziele dieses Programms sind:

  • der respektvolle und sensible Umgang mit inhaftierten und von Gewalt bedrohten Frauen auf den Polizeistationen und in der Sicherheitsverwahrung in Sulaimania und den Distriktstädten der Region
  • der frühzeitige Schutz von bedrohten Frauen durch die Verbesserung der Vernetzung und des Informationsflusses zwischen Frauenprojekten, Polizei- und Justizpersonal und sozialen Schlüsselpersonen

Seit Jahren arbeitet KHANZAD eng mit der Kurdistan Health Foundation (KHF) zusammen , die ergänzend Aufklärungs- und Sensibilisierungsprogramme für die dörfliche Bevölkerung durchführt.

Auf politischer und gesellschaftlicher Ebene engagiert sich KHANZAD für Reformen im Straf- und Zivilrecht sowie im Strafvollzug und hat zusammen mit anderen Gruppen hier erste Reformen erreichen können. KHANZAD setzt sich dafür ein, dass die Kurdische Regionalregierung mehr Strukturen und Mittel zum Schutz und zur sozialen Betreuung von Frauen in Gewalt- und Krisensituationen bereitstellt.


Hier finden Sie den aktuellen Projektflyer:
Download Projektflyer als pdf-File

 

Wie können Sie KHANZAD unterstützen?

Um die für den Schutz von Frauen und die Durchsetzung von Frauenrechten notwendige Partei- und Regierungsunabhängigkeit zu wahren, bezieht KHANZAD keine Mittel der kurdischen Regionalregierung und ist auf internationale Fördermittel und Spenden angewiesen. KHANZAD freut sich daher sehr über Ihre Spende.

HAUKARI e.V. fördert das Frauenzentrum KHANZAD mit Mitteln von BMZ, DEZA Schweiz, CARITAS Schweiz, medico international, OXFAM Deutschland , Weltgebetstag der Frauen u.a.

 

 

 

Kontakt

Haukari e.V.

Falkstr. 34
60487 Frankfurt/M., Germany

Telefon: +49 (0) 6970760278
E-mail : info@haukari.de

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Aktuelles

Workshop für Polizeibeamte, Kifri 18.7.2016
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TV-Tipp: Film über HAUKARI e.V. am So 12.02. in der ARD

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