Presseecho

Im ZEITMagazin Nr. 43/2015 vom 22. Oktober 2015 ist eine spannende Reportage von Andrea Böhm erschienen. Bei ihren Recherchen in Kurdistan-Irak hat sie auch das Frauenzentrum Khanzad und die Initiative Anfal Memorial in Rizgari besucht.

In den Stuttgarter Nachrichten ist am 20.08.2015 ein Portrait von Salahdin Koban erschienen. Salahdin ist seit 2014 Mitglied von Haukari e.V..

 


Unter diesem Titel ist in der Zeitung: "ak - analyse & kritik", Ausgabe Nr. 599 vom 18.11.2014 ein Debattenbeitrag von Andrea Fischer-Tahir und Karin Mlodoch erschienen.

Reportage von Andrea Böhm über die Flüchtlinge in Kurdistan - Irak, erschienen in "Die Zeit" (Ausgabe 35) am 21.08.2014

"Flüchtlingsdrama: So helfen Frankfurter das Leid zu lindern". Artikel in "Frankfurter Neue Presse" über das Nothilfe-Projekt von HAUKARI e.V., erschienen am 20.08.2014

Artikel über die Haukari-Fachtagung am 22.10.2013 von Heiko Flottau, erschienen auf www.Journal21.ch.

Bericht zum Besuch von Anfal-Überlebenden in Berlin und den Haukari-Veranstaltungen in kurdischer Sprache von Armanc Agid Nerweyi in der Tageszeitung Waar, Duhok, Kurdistan-Irak am 11.11.2013

"25 Jahre nach den Anfal-Massakern im Nordirak: Selbstbewusste Frauen und die Entwicklung einer kritischen Öffentlichkeit" - Alsharq Blog Februar 2013

"Life after Anfal. A Photo Documentation, 5 December 2010 to 22 January 2011" - ZMO-Bulletin Juni 2011

"Vergangenheitsbewältigung im Irak"- aus Politik und Zeitgeschichte vom 28.02.2011

Frauen und Mädchen in Haft: "Eigentlich hilft nur KHANZAD…" - Amnesty International Österreich, Netzwerk Frauenrechte, Dezember 2010

"zivik - Zivile Konfliktbearbeitung: Konfliktintervention durch künstlerische Aktionen?" Veranstaltungshinweis auf ifa.de vom 01.12.2010

"Frauenzentrum KHANZAD im Irak" - Kooperation LeEZA und Haukari e.V. im Oktober 2009

"Reise in die Erinnerung der Kurden" - Tagesspiegel vom 22.08.2009

"Kurdische Gäste aus Irak wollen nationales Denkmal" - Märkische Allgemeine Zeitung vom 21.04.2009

"Überlebende der Anfal Kampagne von Saddam Hussein in Berlin" - Informationsdienst Wissenschaft: Pressemitteilung vom 09.04.2009

Ältere Artikel befinden sich im Archiv

Alsharq.de vom 25.02.2013
25 Jahre nach den Anfal-Massakern im Nordirak: Selbstbewusste Frauen und die Entwicklung einer kritischen Öffentlichkeit
Link zum Artikel: http://www.alsharq.de/2013/mashreq/irak/25-jahre-nach-den-anfal-massakern-im-nordirak-selbstbewusste-frauen-und-die-entwicklung-einer-kritischen-kurdischen-offentlichkeit/

 


 

ZMO-Bulletin vom Juni 2011
Life after Anfal. A Photo Documentation, 5 December 2010 to 22 January 2011
von KARIN MLODOCH, Haukari e.V.

In Iraqi Kurdistan, the survivors of the Anfal operations have struggled since 1988 to gain certainty about the fates of more than 100,000 people who disappeared at that time and for political and social recognition of their traumatic experiences. They have spent many years in uncertainty and precarious economic and social situa- tions and today are still largely excluded from the public debate on dealing with the past in Iraq. In the city of Rizgary, women Anfal survivors are now working for a memorial site, to be designed by themselves as a site of symbolic closure and exchange. With this initiative, the women step outside of their state of years-long waiting and con- front the dominant national discourse of Anfal victimhood with their own specific memories and experiences. For the memo- rial site, local artists are photographing Anfal survivors with mementos of their loved ones who disappeared. 3,000 such photos will later form the entryway to the memo- rial site. The photos aim to represent the memory of the disappeared and at the same time turn the focus to the survivors. Some of the photos were exhibited in December/ January 2010/11 at ZMO. The project "Memory Forum Anfal" is supported by the association HAUKARI e.V. and has scholarly accompaniment in Karin Mlodoch's research project "Violence, memory, and dealing with the past in Iraq" at ZMO.

Link zum Artikel: http://www.zmo.de/wirueberuns/material/Bulletin_Nr_20.pdf

 


 

aus Politik und Zeitgeschichte vom 28.02.2011
Vergangenheitsbewältigung im Irak
Link zum Artikel: http://www.bpb.de/files/KV8LVO.pdf

 


 

Amnesty International Österreich, Netzwerk Frauenrechte, Dezember 2010
Frauen und Mädchen in Haft: "Eigentlich hilft nur KHANZAD…"
Link zum Artikel: http://frauenrechte.amnesty.at/wp-content/uploads/aktivistin/AKT5-10.pdf
Seite 8-12

 


 

"zivik - Zivile Konfliktbearbeitung: Konfliktintervention durch künstlerische Aktionen?" Veranstaltungshinweis und Dokumentation auf ifa.de vom 01.12.2010
Link: http://www.ifa.de/foerderprogramme/zivik/veranstaltungen/2010/konflikt-und-kultur

 


 

LeEZA Liga für emanzipatorische Entwicklungszusammenarbeit, Österreich
Frauenzentrum KHANZAD im Irak - Kooperation LeEZA und Haukari e.V., Oktober 2009
Link zum Artikel: http://www.leeza.at/Projekte/frauenzentrum-khanzad-im-irak

 


 

Der Tagesspiegel, 22.08.2009 Reise in die Erinnerung der Kurden
von ANDREA NÜSSE

Modell Deutschland: Kurdische Frauen, die Saddam Husseins Massaker überlebten, suchen nach Vorbildern zur Bewältigung der grauenhaften Vergangenheit.
Das knallrote Festgewand von Srwa Mohamed Rashid leuchtet in der strahlenden Sonne. Unter dem transparenten Überwurf, der im Wind flattert, ist ein goldfarbenes Wams mit Pluderhosen zu erkennen, die Füße stecken in hochhackigen Sandalen. Die Bürgermeisterin der kurdischen Stadt Rizgary in Nordirak begleitet zwei ältere Kurdinnen, die zur Feier des Tages mit Pailletten bestickte, schwarze und bodenlange Übermäntel tragen. Sie ziehen die Blicke auf sich, die Blicke der anderen Besucher der Gedenkfeier. Die kommen aus Deutschland, Frankreich und Osteuropa und tragen Hosen und Blazer oder Windjacken in gedeckten Farben. Selbstbewusst nimmt die exotische Gruppe in der vierten Reihe Platz.

Die kurdischen Frauen sind gekommen, um an einer Gedenkfeier zur Befreiung des Frauen-KZs Ravensbrück teilzunehmen. Auch sie sind Opfer. Allerdings nicht des Nationalsozialismus, sondern des Vernichtungswillens des irakischen Diktators Saddam Hussein, der 1988 ganze Landstriche in der Kurdenregion dem Erdboden gleichmachte und mehr als 100 000 Kurden töten ließ.

Shazada und Aska, die beiden älteren Frauen in Schwarz, sind Anfal-Frauen, Überlebende des Vernichtungsfeldzugs des irakischen Regimes, der zynischerweise nach der Koransure "Al-Anfal" (die Beute) benannt wurden. Beide haben ihre Ehemänner verloren, Aska auch ihren Sohn. Sie selbst sind gefoltert und deportiert worden.

Ein trauriges Oboensolo eröffnet die Feier in Ravensbrück, ein Chor singt das "Ravensbrücklied", eines der im KZ entstandenen Lieder. "Es ist wunderbar, wie die Frauen hier geehrt werden", sagt die 56-jährige Shazada und wischt sich gerührt die Augen. Sie fühlt sich, über alle kulturellen Grenzen, den Opfern von Ravensbrück ganz nahe. "Wir wünschen uns in Kurdistan auch solche Gedenkstätten und Zeremonien für die Anfal-Opfer und die Überlebenden." Deshalb sind die Frauen zu Besuch in Deutschland, sie suchen hier Ideen und Unterstützung für ein Erinnerungsforum in Rizgary, der ehemaligen Lagerstadt, in der Shazada und Aska sowie viele der deportierten Frauen bis heute leben. Eine Bildungsreise der besonderen Art, die sie zum Berliner Holocaust-Mahnmal, ins Haus der Wannseekonferenz, zur Stiftung zur Entschädigung für die Zwangsarbeiter und eben nach Ravensbrück führt.

Die Aufarbeitung der Vergangenheit und der Umgang mit den Verbrechen des Baath-Regimes haben in Irak auch sechs Jahre nach dem Sturz des Regimes nicht ernsthaft begonnen. Das irakische Parlament konnte sich zwar dazu durchringen, den Anfal-Feldzug als Völkermord anzuerkennen. Eine Entschuldigung oder Entschädigung dafür gab es bisher nicht. Für Versöhnung, die Voraussetzung für den Aufbau eines friedlichen Gemeinwesens wäre, scheint es noch zu früh. Das hat die Deutsche Karin Mlodoch selbst erlebt: Zwischen 2005 und 2006 arbeitete sie in einem Zentrum für Opfer politischer Gewalt in Tuz Khurmatu bei Tikrit mit arabischer, kurdischer und turkmenischer Bevölkerung. "Die Idee, verschiedene Opfer zusammenzubringen hat sich schnell als Illusion herausgestellt, die unterschiedlichen Interpretationen der Geschichte waren unvereinbar." Das Zentrum wurde nach nur zwei Jahren wieder geschlossen. Jetzt trauert jede Bevölkerungsgruppe um ihre eigenen Opfer. Selbst in Kurdistan ist der Umgang mit Anfal ambivalent. Einerseits ist der Völkermord das kollektive Trauma der irakischen Kurden und ein zentrales Argument für deren Streben nach Unabhängigkeit und internationaler Unterstützung. Doch gleichzeitig fühlen sich die Überlebenden allein gelassen. Gerade die Frauen, welche die Mehrheit der Überlebenden ausmachen.

Shazada war Bäuerin in der Region Germian, einem fruchtbaren Landstrich. "Wir hatten tausend Schafe, ernteten jeden Sommer zehn Lastwagenladungen Getreide", schwärmt die Frau. Man hat den Eindruck, dieses einfache Leben sei das Paradies gewesen. Das war es wohl auch im Vergleich zu dem, was dann kam. Der Bruder war Peschmerga, bewaffneter Kämpfer für die Unabhängigkeit der Kurden. So kam die junge Frau 1982 in Sippenhaft und für drei Jahre ins Gefängnis. "Sie hängten mich mit den Armen an einem Ventilator auf, der sich drehte, und schlugen mich", sagt Shazada. Nach ihrer Freilassung heiratete sie 1986 und bekam eine Tochter. Und dann kam die Katastrophe: Die gesamte Bevölkerung der Region wurde zusammengetrieben. Die Männer und jugendlichen Söhne wurden sofort abtransportiert. Frauen wurden von ihren Kindern getrennt. "Sie haben uns teilweise die Kleinen aus den Armen gerissen", erzählt Shazada, die ihre neunmonatige Tochter Seniour festhalten konnte. Mehrere Monate verbrachte sie in dem berüchtigten Gefängnis Nugra Salman an der Grenze zu Kuwait. Hier steigen die Temperaturen im Sommer auf über 50 Grad. "Täglich starben etwa 20 Frauen und Kinder. Ihre Leichen wurden einfach in die Wüste geworfen, wo wilde Hunde sie auffraßen." Die schönen jungen Mädchen wurden abgeholt und nie wieder gesehen. Das Wort Vergewaltigung bringt Shazada nicht über die Lippen.

Im Herbst 1988 wurden die Überlebenden nach Kurdistan zurückgebracht und in Barackenstädten wie Sumud, das heute Rizgary heißt, zwangsangesiedelt. Die Dörfer waren dem Erdboden gleichgemacht worden. In Sumud zogen Shazada und die vielen anderen Frauen allein ihre Kinder groß. Bis 2003 hofften sie auf eine Rückkehr der Männer. Nach dem Sturz des Baath-Regimes wurde gewiss: Die Verschwundenen sind tot.

Seither wollen sich Shazada, Aska und die anderen Anfal-Frauen nicht mehr mit der Rolle begnügen, welche ihnen die männlich-dominierte kurdische Gesellschaft zugewiesen hat: die der stumm trauernden schwarzen Frauen. "Wir wollen eine Stätte des Gedenkens haben, an dem wir Frauen uns treffen können, an dem unsere Erinnerungen gesammelt werden, sonst geht ja alles verloren", sagt Shazada, die Vorsitzende der Frauenunion der kurdischen PUK-Partei in Rizgary. Ihre Freundin Aska leitet offiziell das Komitee der Anfal-Frauen im Ort. Die beiden wissen, was sie wollen. Verächtlich winken sie ab bei der Erwähnung des offiziellen Denkmals, das die kurdische Regionalregierung außerhalb des Dorfes aufstellen ließ. Nein, eine Skulptur wie die Müttergruppe, die vor dem KZ Ravensbrück steht, berührt sie: Aska streicht bei der Besichtigung immer wieder über das Kind aus Bronze, das sich am Bein der übergroßen Mutter festklammert. Sie kann sich gar nicht von dem Anblick losreißen.

Begeistert lauschen die kurdischen Frauen bei einer Fachtagung im Zentrum Moderner Orient dem Leiter der pädagogischen Dienste der Gedenkstätte Ravensbrück, Matthias Heyl. Er spricht davon, welch heilende Wirkung für die Gesellschaft es haben kann, wenn Opfer über das Erlebte sprechen. So viel Aufmerksamkeit erleben die Anfal-Überlebenden zu Hause selten. Im Gespräch mit Elke Gryglewski von der Gedenk- und Bildungsstätte "Haus der Wannseekonferenz" interessiert die Frauen besonders der Umgang mit den Tätern. Denn die Frauen fordern seit 2003 immer lauter, dass die kurdischen Kollaborateure vor Gericht gestellt werden. Tausende kurdische Milizionäre, unter der Führung mächtiger Stammesführer, trieben die Menschen zusammen und zerstörten anschließend deren Dörfer. Davon will die Regionalregierung nichts wissen. 1991 gab es eine Generalamnestie, um die Kollaborateure in die Gesellschaft zu integrieren. Dennoch bestehen die Überlebenden darauf, dass 270 Personen, darunter mächtige Stammesführer, zur Rechenschaft gezogen werden. "Der Verrat in den eigenen Reihen hat sich stärker in der Erinnerung eingebrannt als die Schuld der irakischen Armee", sagt Karin Mlodoch.

Beim Besuch der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft" für die Entschädigung der Zwangsarbeiter schreibt die kurdische Abgeordnete Gulnaz Aziz Qadir besonders viel mit. "Wir können in Deutschland so viel lernen", sagt sie. Wenn sie Deutschland etwas unbeholfen gratuliert zu seinen hervorragenden Gedenkstätten, kommt der Eindruck auf, ihr könnte nicht ganz klar sein, dass sie sich im Land der Täter befindet - ein Unterschied zu Anfal in Kurdistan. Das sieht Elke Gryglewski natürlich, aber, sagt sie, wenn Deutschland so viel Schrecken über die Welt gebracht habe, könne es nun ja auch mal etwas Positives exportieren.

Link zum Artikel: http://www.tagesspiegel.de/zeitung/reise-in-die-erinnerung-der-kurden/1585026.html

 


 

Märkische Allgemeine Zeitung, 21.04.2009
INITIATIVE: Einblicke in die deutsche Kultur des Erinnerns
Kurdische Gäste aus Irak wollen nationales Denkmal
von Fred Hasselmann

ZOSSEN - Die Namen der Gäste klingen außergewöhnlich und gehen selbst Übersetzern nicht so einfach über die Lippen, zum Beispiel Shazada Hussein Muhammad oder Aska Ali Hamah-Ameen. Die beiden landestypisch gekleideten Frauen sind Überlebende der sogenannten Anfal-Operationen gegen die kurdischen Rebellen im Irak und Mitglieder einer Delegation, die derzeit in Deutschland - gestern in Zossen - unterwegs ist.

Anfal heißt soviel wie Beute. Es war Diktator Saddam Hussein, der 1988 den Befehl gegeben hatte, gewaltsam gegen kurdische Rebellen im Irak vorzugehen. Die militärischen Operationen richteten sich insbesondere gegen die männliche Zivilbevölkerung im Alter von 15 bis 70 Jahren und forderte mindestens 100 000 Opfer. Auch Shazada Hussein Muhammad und Aska Ali Hamah-Ameen verloren damals ihre Familien. Die landwirtschaftlichen Strukturen in den Kurden-Gebieten wurden zerstört, die Überlebenden zwangsumgesiedelt.

Die beiden Betroffenen sind nicht die Einzigen, die seitdem das Erlebte und die Traumata des Vernichtungsfeldzuges verarbeiten und sich dafür einsetzen, dass es in Erinnerung bleibt. Für ein entsprechendes Projekt werben sie um Unterstützung und meinen damit nicht in erster Linie finanzielle Hilfe. Besonders interessiert die Gäste - darunter Srwa Mohammed Rashid, Bürgermeisterin der Stadt Rizgary -, wie die Deutschen mit ihren Erinnerungen an Krieg, Tod und Gewaltherrschaft umgehen. Der Besuch der Gedenkstätte im ehemaligen KZ Ravensbrück steht ebenso auf ihrem Programm wie ein Abstecher zur Zossener Friedenseiche und zum Bonhoeffer-Denkmal, eine Tour zum Zehrensdorfer Friedhof sowie ein Blick auf die Stolpersteine in Zossen. Nicht zuletzt war es die Verlegung dieser kleinen Steine, die ungeahnte, in jedem Fall große Wirkung hatte und den Verein Haukari auf Zossen aufmerksam werden lie. Auch Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B) begrüßte die Delegation offiziell im Rathaus, wo es am Nachmittag - vor dem Besuch des Schulmuseums und mehrerer Denkmäler der Stadt - zu einem regen Meinungsaustausch kam.

 


 

Informationsdienst Wissenschaft: Pressemitteilung vom 09.04.2009
Überlebende der Anfal Kampagne von Saddam Hussein in Berlin
REGINA SARREITER
Zentrum Moderner Orient (ZMO)
Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e.V. (GWZ)
Einladung zum Arbeitsgespräch:
Gewalt, Erinnerung und Aufarbeitung im Irak
Anfal überlebende Frauen engagieren sich für eine selbst gestaltete und verwaltete Gedenk- und Begegnungsstätte

Termin:
Dienstag, den 21.4.2009
10.00 bis 16.00 Uhr
Ort:
Zentrum Moderner Orient
Kirchweg 33
14129 Berlin-Nikolassee

Hintergrund:
Unter dem Codewort Anfal zerstörte die irakische Armee 1988 Tausende von Dörfern im kurdischen Norden des Irak, verbrachte die Bevölkerung erst in Gefangenen- und dann in Umsiedlungslager und verschleppte und tötete mehr als 100 000 Männer und junge Frauen. Ihr genaues Schicksal ist bis heute ungeklärt. Die Überlebenden von Anfal, darunter eine große Zahl allein stehender Frauen, leben seit nunmehr 21 Jahren in Ungewissheit und im Provisorium. Zwar hat sich ihre ökonomische Situation in den letzten Jahren erheblich verbessert und wurden die Hauptverantwortlichen für Anfal, Saddam Hussein und Ali Hassan Al Majid, vor dem Irakischen Obersten Gerichtshof verurteilt. Nach wie vor aber warten die Anfal Überlebenden auf die Öffnung der Massengräber und Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen. Sie fordern Entschädigung, konsequente Bestrafung aller Täter und Mittäter und die soziale und politische Anerkennung ihrer spezifischen Erfahrung auch in der öffentlichen Debatte um und Gestaltung von Erinnerung. Anlässlich des 20. Jahrestages von Anfal waren im vergangenen Jahr auf Einladung von HAUKARI e.V. und dem Zentrum Moderner Orient zwei Anfal überlebende Frauen aus dem Germian-Gebiet im Südosten Kurdistans, Shazada Hussein Mohammed und Gulnaz Aziz Qadir, zu Gast in Deutschland. Sie berichteten über ihre Erfahrungen und forderten auch von deutscher Seite Unterstützung bei der Aufarbeitung der Vergangenheit und der Entwicklung neuer Lebensperspektiven. Zudem besuchten sie verschiedene Orte des Gedenkens an die Opfer der Nazi- Diktatur. Nach ihrer Rückkehr in den Irak entwickelte sich in dem ehemaligen Umsiedlungslager Sumut/Rizgary eine Initiative von inzwischen mehr als 100 Anfal überlebenden Frauen für eine von ihnen aktiv mitgestaltete und -verwaltete Anfal-Gedenkstätte. Die Frauen fordern ein Mahnmal, das ihre spezifische Erfahrung repräsentiert und eine Begegnungsstätte, in der die Erinnerung an die während Anfal verschwundenen Menschen und zerstörten Dörfer lebendig bleibt und die für die Überlebenden ein Ort des Austausches, der Trauer und des symbolischen Abschlusses ist. Neben dem konkreten Ziel der Errichtung einer Gedenkstätte ist das Projekt für die Anfal überlebenden Frauen auch ein Schritt aus dem langjährigen Wartezustand und ein Forum für den Austausch und die Bearbeitung ihrer Erinnerungen. Das Projekt wird von HAUKARI e.V. unterstützt und begleitet und gefördert mit Mitteln des Auswärtigen Amtes - Projekt zivik. Im April 2009 wird eine Gruppe von Beteiligten an dem Gedenkstättenprojekt nach Deutschland kommen, hier Orte der Erinnerung an den Holocaust und die Opfer der Naziherrschaft besuchen und unterschiedliche Möglichkeiten der Gestaltung von Erinnerung kennen lernen. Das Arbeitsgespräch am 21.4.2009 soll ein Forum bieten für den Austausch zwischen den kurdisch-irakischen Gästen und hiesigen MitarbeiterInnen von Gedenkstätten, Erinnerungs- und Aufarbeitungsprojekten, ForscherInnen und ErinnerungskünstlerInnen. Die Gäste werden ihr Projekt vorstellen und sollen einen Einblick erhalten in die verschiedenen Ansätze von Erinnerungsarbeit und -gestaltung und die kontroverse Debatte um Gedenken und Erinnerung in Deutschland.

Gäste und ReferentInnen Shazada Hussein Muhammad, Überlebende der Anfal-Operationen, Komitee der Kurdischen Frauenunion und aktives Mitglied der Gedenkstätteninitiative. Rizgary, Kurdistan-Irak. Aska Ali Hamah-Ameen, Überlebende der Anfal-Operationen, Mitglied der Gedenkstätteninitiative. Rizgary, Kurdistan-Irak. Gulnaz Aziz Qadir, Abgeordnete des Kurdischen Regionalparlaments, Mitglied der parlamentarischen Arbeitsgruppe zu Anfal. Hawler, Kurdistan-Irak Srwa Mohmmed Rashid, Bürgermeisterin der Stadt Rizgary, Kurdistan-Irak Goran Mustafa Muhamad, Ministerium für Anfal-Opfer und Märtyrer der Kurdischen Regionalregierung. Hawler, Kurdistan-Irak. Zana Rasul Mohammed, Künstler, Berater der Gedenkstätteninitiative. Sulaymaniah, Kurdistan-Irak. Jamal Ibrahim, Vertreter von HAUKARI e.V., Sulaymaniah, Kurdistan-Irak. Elke Gryglewski, Politologin, Bildungsabteilung der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Potsdam Dr. Martina Pottek, Kunsthistorikerin, Bonn Dr. Matthias Heyl, Historiker und Pädagoge, Leiter der Pädagogischen Dienste, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück Karin Mlodoch Psychologin, HAUKARI e.V. und Zentrum Moderner Orient, Berlin. Konferenzsprachen sind Kurdisch (Sorani) und Deutsch.

weitere Informationen unter:
http://www.zmo.de/veranstaltungen/2009/Einladung_Veranstaltung_Anfal.pdf
Link zur Pressemitteilung:
http://idw-online.de/pages/en/news309471

 

Kontakt

Haukari e.V.

Falkstr. 34
60487 Frankfurt/M., Germany

Telefon: +49 (0) 6970760278
E-mail : info@haukari.de

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