KHANZAD
Soziales und kulturelles Zentrum für Frauen und Mädchen
Sulaimania, Kurdistan-Irak
Das Projekt
KHANZAD ist der Name einer kurdischen Frau, die im 19. Jahrhundert anstelle
ihres im Gefängnis sitzenden Bruders die Regierungsgewalt in ihrer Heimatstadt
Rawanduz übernahm. Unter ihrem Namen wurde im Mai 1996 erstmalig das soziale
und kulturelle Frauenzentrum Sulaimania KHANZAD eröffnet, ein Zentrum für
Beratung, Fortbildung und Austausch für alle Frauen ab 16 Jahren.
Nach einer längeren Schließung wurde das Zentrum im Mai 1999 wieder
eröffnet.
Ziele
- Schaffung einer Möglichkeit für sozialen Austausch unter Frauen in einem gesellschaftlich akzeptierten Raum (ohne Zutritt für Männer)
- Beratung von Frauen in gesundheitlichen, rechtlichen und sozialen Fragen
- Stärkung des Selbstbewußtseins von Frauen durch Fortbildung und Austausch
- Förderung der Solidarität unter Frauen
- Organisierung von Frauen zur Durchsetzung ihrer Rechte und der Beteiligung am gesellschaftlichen und politischen Leben Kurdistan-Iraks
Trägerinnenkreis
Das Zentrum wird getragen und organisiert von einem parteiunabhängigen
Frauenkomitee, dem Frauen aus verschiedenen sozialen Gruppen, Berufen und Regionen
Kurdistans angehören. Zur Zeit hat das Zentrum 11 feste Mitarbeiterinnen,
dazu kommen 8 Kursleiterinnen sowie 1 Fahrer und 5 Wächter.

Zielgruppe
Das Frauenzentrum ist ausschließlich für Frauen zugänglich und bietet so einen gesellschaftlich akzeptierten und geschützten Raum vor allem für Frauen aus traditionelleren Familienzusammenhängen und unteren und mittleren Schichten, die bisher wenig Möglichkeiten zu sozialem Austausch und Weiterbildung außerhalb der Familie hatten.
Programm
Es werden Alphabetisierungskurse in allen Stufen angeboten, die nach 6-9 Monaten
und einer Abschlußprüfung zum Erwerb eines Zertifikats vom Erziehungsministerium
führen.
Daneben werden Englischkurse, weitere Sprachkurse (Persisch, Französisch,
Deutsch), Computerkurse, Gymnastikkurse angeboten und - die größte
Attraktion - Fahrstunden von für Frauen.
Zusätzlich gibt es Angebote zu Gesprächen mit einer Sozialarbeiterin,
Rechtsberatung durch eine Anwältin, Gesundheitsberatung zu verschiedenen
Themen sowie physiotherapeutische Behandlung.
Eine Cafeteria und eine Frauenbibliothek mit Lesesaal sind täglich geöffnet.
In einem angeschlossenen Friseursalon werden neben preisgünstigen Angeboten
auch Kurse im Haareschneiden angeboten.
Eine ständige Kinderbetreuung ermöglicht auch Müttern von kleinen
Kindern den Besuch von Seminaren und Fortbildungskursen.
Neben dem täglichen Kursprogramm finden Seminare und Veranstaltungen im
Zentrum statt, zum Beispiel zu Familienplanung, zum Umgang mit behinderten Kindern,
aber auch zu historischen und politischen Themen wie der Rolle der kurdischen
Frau in der Geschichte, die Situation von Exil-Kurd/innen in Europa etc.
Resonanz unter den Frauen in Sulaimania
Der Frankfurter Verein HAUKARI e.V. garantiert auch nach außen die parteipolitische
Neutralität des Zentrums. Dies und der ausschließliche Zugang nur
für Frauen erklären die große Resonanz, auf die das Zentrum
unter Frauen aller Schichten, Altersgruppen und politischer Couleur gestoßen
ist.
Monatlich nehmen zwischen 250 und 300 Frauen an dem täglichen Kursprogramm
teil. Zwischen 1000 und 1400 besuchen monatlich das Zentrum, um an Veranstaltungen
teilzunehmen, den Lesesaal zu nutzen, sich in der Cafeteria mit Freundinnen
zu treffen, sich bei Problemen von den Sozialarbeiterinnen beraten zu lassen
- oder auch einfach mal im Garten die Beine auszustrecken und sich zu entspannen.
Kooperation mit anderen Frauenprojekten
Während KHANZAD bei seiner Gründung 1996 das erste
Zentrum dieser Art in Sulaimania war, hat sich inzwischen eine Reihe von
Frauenprojekten entwickelt: Frauencafés, eine psychosoziale Beratungsstelle
und weitere Frauenbildungszentren sowie mehrere Zufluchtshäuser für
Frauen, die von familiärer Gewalt bedroht sind. Für die Mitarbeiterinnen
von KHANZAD ist nun ein neues Ziel ihrer Arbeit hinzugekommen: die Förderung
der Zusammenarbeit und Vernetzung unter den verschiedenen Frauenprojekten.
Sie waren aktiv beteiligt an der Gründung des "Bündnisses
gegen Gewalt gegen Frauen", das Ende 1999 als Reaktion auf Angriffe
islamistischer Gruppen auf Fraueninitiativen und einzelne engagierte Frauen,
aber auch als Bündnis gegen die Gewalt, die viele Frauen in ihren
Familien erleiden, ins Leben gerufen wurde. Am 29.12.2000 wurde aus dieser
Initiative die eingetragene Organisation ASUDA- Combating Vilence against
Women in Kurdistan-Iraq gegründet.
Eine weitere von KHANZAD ausgehende Initiative ist die Betreuung von Frauen
im Frauengefängnis Sulaimania durch MitarbeiterInnen und BesucherInnen
von KHANZAD.

FOTOS: Besuch im Frauengefängnis
Das "mobile Team" - Alphabetisierung und Beratung in Randbezirken Sulaimanias
Seit März 2002 unterrichten und beraten die sogenannten "mobilen Teams" von KHANZAD Frauen aus Randbezirken Sulaimanisa, insbesondere Frauen aus Flüchtlingsfamilien und Überlebende der Anfal-Operationen, in ihren Bezirken. Zur Zeit besuchen 180 Frauen aus drei Randbezirken neunmonatige Alphabetisierungkurse. Einmal wöchentlich stehen ihnen in ihren Stadtteilen Rechtsanwältinnen, Sozialarbeiterinnen und Ärztinnen für Einzel- und Gruppenberatung zur Verfügung. Im nächsten Jahr wird das Projekt fortgeführt (Mobile Teams)
Für weitere Fotos von Khanzad bitte hier klicken
Finanzierung
Der Verein HAUKARI e.V. unterstützt die Arbeit des Frauenzentrums aus Spendenmitteln
und mit Fördermitteln der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit
Berlin und der Hans-Böckler-Stiftung der Frauengruppe der Stiftung UMVERTEILEN
und des Weltgebetstags der Frauen.
Für Fortbildungs- und Sportkurse werden Gebühren von den Teilnehmerinnen
erhoben (die Alphabetisierungskurse sind unentgeltlich), aus denen die Kosten
für Lehrerinnen und Unterrichtsmaterialien gedeckt werden. Auch die Cafeteria
wirft kleine Gewinne ab.
Für die Weiterführung und Ausweitung der Arbeit des Zentrums ist das
KHANZAD-Komitee dringend auf Spenden angewiesen.
Unterstützung
Wie könnt Ihr/können Sie KHANZAD unterstützen?
Spenden
Mit nur 20,- Euro kann eine Kursleiterin für einen Alphabetisierungskurs
einen weiteren Monat bezahlt werden. Dieses Beispiel zeigt, daß selbst
die kleinste Spende einen Beitrag zur Weiterführung der Arbeit des Frauenzentrums
darstellt.
Spenden mit dem Stichwort KHANZAD an:
HAUKARI e.V.
Postbank Frankfurt/Main
BLZ 500 100 60
Konto-Nr.: 65 40 92 600
Frauen-Förderkreis
Im Herbst 2000 wurde ein Frauen-Förderkreis
(--> Antrag) für KHANZAD
ins Leben gerufen. Hier können Frauen (und auch Männer) beitreten,
die bereit sind, kontinuierlich einen monatlichen Beitrag von mindestens 3,- Euro
zuzusagen. Sie werden unsererseits regelmäßig informiert über
die Arbeit des Zentrums, die Situation und Initiativen von Frauen in Kurdistan-Irak
und natürlich über die Verwendung der Fördermittel.
Info-Partnerschaften
Frauengruppen, -initiativen, -zentren, -läden, - praxen, -kollektiven in
Deutschland und Europa übersenden wir gerne ausführliches Informationsmaterial,
Stelltafeln, Fotos etc. zur Arbeit von KHANZAD, das ausgehängt, ausgelegt,
aufgestellt...werden kann, so daß mehr Frauen von KHANZAD erfahren. (BESTELLEN)
Kontaktadressen:
KHANZAD, Sulaimania, Leiterin: Khandan Mohammed Jeza, e-mail: KHANZAD@gmx.net
Susanne Bötte
Falkstr. 34
60 487 Frankfurt/M.
Tel. 069/ 70 76 02 78, Fax: 069/ 70 76 02 79
Karin Mlodoch
Wrangelstr. 46
10 997 Berlin
Tel. 030/ 612 14 57
e-mail: info@haukari.de
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